Warum noch ein Blog?

Die Antwort auf diese Frage beantworte ich zum aktuellen Zeitpunkt mit dem Titel dieses Blogs: Ein Tweet ist nicht genug. Konkreter: Das Medium Twitter, auf Prägnanz ausgerichtet, kann der Anstoß sein, aber es reicht natürlich nicht, um komplexe Sachverhalte auszubreiten.

Was mich motiviert, auf diesem Blog Themen wie Bildungsgerechtigkeit, Aufstiegschancen strukturelle Diskriminierung und all die anderen Herzensthemen zu besprechen, liegt vielfach in Diskussionen begründet, die durch Tweets der deutschen akademischen Landschaft angestoßen werden. Diese Tweets machen mich emotional, denn sie lösen in mir eine Vielzahl möglicher Antworten aus – persönliche natürlich, keine, die ich nach eingehenden, jahrelangen Studien auf der Basis aktueller Forschungsergebnisse profilieren könnte.

Schon oft habe ich mich dem Gedanken gespielt, auf meiner Homepage auch einen Blog zu veröffentlichen, doch diese Idee immer wieder der Frage: »Wer interessiert sich schon für deine Sichtweise?« abgeschmettert. Aber es geht nicht um Fame, es geht nicht um Profilierung (weshalb dieser Blog auch an meine Website angegliedert ist, die primär der wissenschaftlichen und beruflichen Profilierung diente, in der Hoffnung, es führe mich in die Karriere, die ich mir sehnlichst wünsche). Es geht, wie vielerorts, um Sichtbarkeit. Und damit ist auch meine Perspektive, meine Meinung, die ich in Blogform darlege, nur ein Mosaiksteinchen eines Gesamtbildes, das angreifbar ist und sein will, das keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und weit davon entfernt ist, jede noch so abwegige, aber berechtigte Wendung, Verzweigung oder Nische mitzudenken. Das muss ein Blog meiner Meinung nach auch gar nicht leisten, denn ein Blog ist auch nur Multiplikator, der andere Betroffene oder Nicht-Betroffene anregt, sich ebenfalls zu äußern und den Diskurs aufrecht zu erhalten.

Ein bisschen Nerd muss an dieser Stelle sein: Schön, wie die literarische Romantik im Internet weiterlebt…

Wer bin ich?

Wohl eine der existenziellsten Fragen, die man sich stellen kann, und deren Beantwortung ich hoffentlich im hohen Alter mit Rückschau auf eine lange, erfolgreiche und spannende Entwicklungsgeschichte beantworten kann.

Doch ist diese Frage auch immer noch an Legitimierungstendenzen von außen geknüpft. Vielmehr müsste sie lauten: Was legitimiert meine Stimme im Netz? Was qualifiziert mich eigentlich, mich zu Themen wie Entwicklungsdruck bei Jugendlichen, Aufstiegschancen im deutschen Bildungssystem oder Diskriminierung von Frauen zu äußern? Ich denke, die Antwort ist klar: Diese Themen begegnen mir jeden Tag, in vielen Fällen bin ich selbst betroffen, in anderen Fällen bin ich außenstehende Beobachterin, die verstehen will und nach außen greift und nach anderen Erfahrungsberichten sucht.

Ich strebe hier keinen Wissenschaftsblog an – der sich freilich auch um Literatur drehen müsste. Ich möchte die Diskussion um privilegierte Bildungsgruppen, Hürden und Blockaden (außen wie innen) mit meiner eigenen Erfahrung anreichern. Nicht zuletzt deshalb, weil ich auch nur eine von vielen und doch von viel zu wenigen bin: Bildungsaufsteigerin.

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